«Nachhaltiger Konsum soll auf Freiwilligkeit beruhen»

Wie Bruno Zehren erfolgreich Mehrwegbecher bei der Post einführt



Bruno Zehren ist Provider-Manager bei der Schweizerischen Post. Sein Reich sind zwölf Personalrestaurants und eine Caféteria. Seine Aufgabe ist, sicherzustellen, dass die Caterer dieser Betriebe ihre Leistungen gemäss den mit der Post vereinbarten Verträgen erbringen. Darüber hinaus hat Bruno Zehren ganz klare Vorstellungen, was für ihn Nachhaltigkeit bedeutet. Auf einem Bauernhof aufgewachsen, lebt und arbeitet er nach dem Motto «Back to the Roots». Für ihn heisst das: «Zurück zur Natur». 

Am Beispiel der Einführung von Mehrwegbechern bei der Post erklärt der Provider-Manager, wie er Nachhaltigkeit in seinem Arbeitsalltag umsetzt.



Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit bei der Arbeit?

Nachhaltigkeit sollte sich ganz natürlich in den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden integrieren. Das ist meine Philosophie. An ihr orientiere ich mich bei der Arbeit. Konkret bedeutet das: Nachhaltigkeit darf nie auf Zwang beruhen. Ich versuche vielmehr, in den Personalrestaurants und in der Caféteria den Mitarbeitenden zum herkömmlichen Angebot attraktive, umweltschonende und gesunde Alternativen zu bieten.



Worauf beruht Ihre Philosophie der Nachhaltigkeit?

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da haben wir im Einklang mit der Natur gelebt. Das hat mich stark geprägt. Wenn ich heute von einer «natürlichen» Integration von Nachhaltigkeit ins Unternehmen spreche, dann meine ich zwei Aspekte: zurück zur Natur, was das Angebot betrifft, und intrinsische Motivation für einen nachhaltigen Konsum.



Können Sie Ihre Philosophie an einem konkreten Projekt veranschaulichen?

Ja. Wir sind bei der Post daran, Mehrwegbecher einzuführen, um den Verbrauch von herkömmlichen Pappbechern für Kaffee und Tee zu reduzieren. Die Mehrwegbecher sind aus einem Kunststoff ohne Weichmacher gefertigt. Weichmacher werden als gesundheitsbedenklich eingestuft. Mit diesem Projekt schonen wir also auch die Gesundheit der Mitarbeitenden.



Wie ist die Idee für dieses Projekt entstanden?

Als ich Mitte 2018 meine Arbeit bei der Post aufgenommen habe, waren alternative Verpackungsmaterialien und Abfallreduktion bereits ein Thema. Es war mir ein persönliches Anliegen, im Rahmen meiner Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten. In diesem Zusammenhang ist die Idee für einen posteigenen Mehrwegbecher entstanden. Mit der Lancierung des Mehrwegbechers wollten wir zwei Ziele verfolgen: einerseits den Verbrauch an herkömmlichen Pappbechern reduzieren und andererseits die Identifikation der Mitarbeitenden mit der Post fördern.



Wie weit sind Unternehmen für das nachhaltige Handeln ihrer Mitarbeitenden verantwortlich?

Die Mitarbeitenden wollen nicht bevormundet werden. Sie wollen selbst bestimmen. Beispielsweise hat man früher in den Personalrestaurants der Post an einem Tag nur Vegi-Menüs angeboten. Das wurde nicht an allen Standorten gleich gut aufgenommen. Die Mitarbeitenden haben unterschiedliche Ernährungsbedürfnisse, die auch von ihrer Tätigkeit abhängig sind. Man darf sie also nicht über den gleichen Kamm scheren. Es ist zielführender, eine attraktive Auswahl anzubieten.



Können Unternehmen dennoch die Mitarbeitenden für Nachhaltigkeit motivieren?

Ich würde aus Unternehmenssicht den Mitarbeitenden nicht vorschreiben, dass sie nachhaltig leben sollten. Es geht darum, dass die Unternehmen selbst etwas tun und dass Nachhaltigkeit vorgelebt wird. Sie sollten also eine Vorbildfunktion wahrnehmen. Das darf nicht aufgesetzt wirken, sondern sollte möglichst authentisch sein. Das Beispiel des Mehrwergbechers zeigt, wie wir den Mitarbeitenden eine Möglichkeit bieten, sich nachhaltig zu verhalten. Wir stellen den Becher zur Verfügung und die Mitarbeitenden entscheiden, ob sie ihn nutzen wollen.



Hat der Mehrwegbecher bei den Mitarbeitenden Anklang gefunden?

Ja, sehr. Wir haben mit einer drei Tage dauernden Aktion den Mehrwegbecher lanciert. Für diese Aktion haben wir am Hauptsitz zwei Karikaturisten engagiert, die die Becher mit dem Porträt oder dem Namen der Mitarbeitenden geschmückt haben. Während dieser Zeit haben wir 200 Pappbecher weniger gebraucht. Auf die zwölf Restaurants und die Caféteria hochgerechnet, ergibt dies für diesen Zeitraum ein Sparpotenzial von 1500 bis 1600 Pappbecher.

Wie wichtig war der Nachhaltigkeitsaspekt beim Mehrwegbecher?

Allgemein lässt sich sagen, dass bei einem nachhaltigen Angebot das ganze Paket stimmen muss: Das Verpackungsmaterial, der gesunde Inhalt und der Lieferant aus der Region – dann lässt sich Nachhaltigkeit gut verkaufen. Beim Mehrwegbecher haben Rückfragen der Mitarbeitenden zum verwendeten Material gezeigt, dass das Bewusstsein betreffend Verpackungsmaterial gewachsen ist.

 


Wann ist für Sie das Ziel dieses Projekts erreicht?

Ganz klar: Wenn ich durch die Post gehe und mir mehrmals pro Tag Mitarbeitende mit Mehrwegbechern begegnen – und wenn schliesslich alle Pappbecher in unserem Unternehmen verschwunden sind. 

Es ist so, dass einige Nachhaltigkeitsprojekte Dauerprojekte sind. Ein klassisches Projekt hat einen definierten Anfang und Abschluss. Manchmal verliert man das Thema nach dem Abschluss aus den Augen. Bei diesem Projekt arbeiten wir zurzeit daran, die Mehrwegbecher in allen zwölf Restaurants und der Caféteria zu etablieren. Das Projekt Mehrwegbecher muss jetzt verfestigt, vertieft und weiterentwickelt werden. Es ist also wichtig, dass es anhaltend wirkt.



Herzlichen Dank für das spannende Gespräch!

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