Zu viele Kühe machen dem Klima Mühe

Die Post unterstützt das Klimaprojekt «Biogasanlagen auf Bauernhöfen»



Ob Braunvieh, Holstein oder Swiss Fleckvieh – die Kuh ist ein Schweizer Nationaltier und auf Bauernhöfen jeder Region zuhause. Was viele nicht wissen: Bei der Verdauung von pflanzlicher Nahrung setzt die Kuh täglich bis zu 300 Liter Methan frei. Ein natürlicher Prozess, der aber leider nicht gut für das Klima ist. Damit Methan aus der Lagerung von Gülle und Mist nicht in die Luft entweicht und das Klima weiter aufheizt, unterstützt die Post das Klimaprojekt «Biogasanlagen auf Bauernhöfen». Eine dieser Biogasanlagen steht im aargauischen Remetschwil und wird von Samuel Imboden zusammen mit zwei seiner Cousins betrieben. Er hat uns auf seinen Hof eingeladen und uns eine kleine Führung gegeben. 



«Die Auswirkungen des Klimawandels bekommen wir immer stärken zu spüren.» Wir treffen Samuel Imboden auf seinem Bauernhof in Remetschwil, als er gerade seine Kühe füttert. «Und wir sind alle auf die Natur angewiesen.» Umso wichtiger sei es deshalb, ressourcenschonend zu produzieren und Kreisläufe zu schliessen. Darum hat er sich 2013 den Traum einer eigenen Biogasanlage auf dem Hof erfüllt. 



Am Anfang war der Kuhfladen 

 

Aber wie funktioniert eine Biogasanlage eigentlich? Samuel Imboden schmunzelt: «Es beginnt alles mit der Kuh. Und ihrem Kuhfladen». Gülle, also Urin und Kot der landwirtschaftlichen Nutztiere, sowie Mist, Ernterückstände und andere organische Stoffe, kommen in die Biogasanlage. In dieser sorgen Mikroorganismen in der Luft dafür, dass die gesamte Biomasse vergärt. Bei diesem Vorgang entsteht Biogas – eine Mischung aus Methan, Kohlendioxid, Wasser und Spurengasen. 

 


Von der Gülle zur nachhaltigen Energie 

 

Das entstandene Biogas wird über einen Gasmotor verbrannt, der wiederum über einen Generator Strom erzeugt. Samuel Imboden deutet auf seinen Hof: «Die Abwärme des Motors verwenden wir dann für die Heizung unserer Wohnräume, der Heu- und der Holzschnitzeltrocknung.» Der erzeugte Strom hingegen werde ins öffentliche Stromnetz eingespeist und reiche für circa 250 Haushalte. Aber das ist noch lange nicht alles: Denn das Biogas kann weiter aufbereitet sogar als Brennstoff oder Treibstoff Verwendung finden. Als Nebenprodukt entsteht ausserdem die sogenannte Gärgülle, die geruchsneutraler als herkömmliche Gülle ist und hervorragende Düngeeigenschaften mitbringt.  

Eine Anlage mit Mehrwert

 

Die Biogasanlage verhindert, dass grössere Mengen Methan in die Atmosphäre entweichen. Damit leistet  Bauer Imboden einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Denn Methan ist ein Klimagas, das 28 Mal klimaschädlicher ist als CO2. Wird die Gülle normal gelagert, gelangt das Methan unkontrolliert in die Atmosphäre. In der Biogasanlage hingegen wird das Gas kontrolliert gesammelt, in weniger schädliches CO2 und in Energie umgewandelt. Für diese Treibhausgas-Reduktion werden Zertifikate ausgestellt, welche die Post zur Kompensation von nicht vermeidbaren CO2-Emissionen erwirbt.

 

Zuerst kommt die CO2-Reduktion
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Das Engagement der Post 

 

Bei dem Versand von Briefen, Paketen und Gütern entstehen unvermeidbare CO2-Emissionen. Durch den «pro clima»-Versand kompensiert die Post diese Emissionen über das Klimaprojekt «Biogasanlagen auf Schweizer Bauernhöfen.» Im Detail funktioniert das folgendermassen: Man vergleicht die Menge an produziertem sowie verbranntem Methan auf besagtem Bauernhof und berechnet daraus die Methan-Einsparung. Zur Vereinfachung wird diese Einsparung in CO2 umgerechnet. Pro Tonne CO2 wird über die Genossenschaft Ökostrom Schweiz ein CO2-Zertifikat ausgestellt, welches die Post kauft und somit die CO2-Emissionen kompensiert. Lorenz Köhli, Bereichsleiter Klimaschutz bei Ökostrom Schweiz, ist überzeugt: «Die Biogasanlage macht alle zum Gewinner: Während die Bauern durch den Verkaufserlös die Anlage wirtschaftlich betreiben können, kann die Post ihre CO2-Emissionen kompensieren. Und das Klima freut sich über die Methaneinsparung.» Das Engagement der Post endet aber noch nicht hier: Sie unterstützt die Bauern zum Beispiel auch im Bereich der Mobilität und stellt ihnen kostenlos e-Cargo-Velos zur Verfügung.  



«Ein ungeahntes Potenzial» 

 

Samuel Imboden ist begeistert: «Dank der Biogasanlage kann ich 80% unserer Biomasse optimal verwerten und wiederum sinnvoll einsetzen. Damit schliesst sich der Kreislauf auf meinem Hof.» Dass bis jetzt nur ungefähr 5% der anfallenden Biomasse in der Schweiz energetisch verwertet werden, findet der aufgestellte Landwirt schade. Er könne es nur jedem empfehlen, das ungeahnte Potenzial des Kuhfladens vollends auszuschöpfen.